Wissenschaftler aus den USA haben untersucht, ob sich aus der nĂ€chtlichen HirnaktivitĂ€t im Schlaf Hinweise auf ein spĂ€teres Demenzrisiko ableiten lassen. DafĂŒr fĂŒhrten sie eine Metaanalyse mit Daten einzelner Teilnehmender aus fĂŒnf groĂen Langzeitstudien durch. Eingeschlossen wurden 7.105 Erwachsene ohne Demenz zu Beginn der Schlafmessung. Die Teilnehmenden waren je nach Studie im Durchschnitt zwischen 59,5 und 82,7 Jahre alt. Die Zeit bis zu einer Demenzdiagnose lag je nach Studie im Median zwischen 3,6 und 16,9 Jahren.
Im Mittelpunkt stand ein sogenannter Gehirnalterswert. DafĂŒr wurde bei den Teilnehmenden zu Hause wĂ€hrend einer Nacht die elektrische HirnaktivitĂ€t im Schlaf gemessen. AnschlieĂend schĂ€tzte ein Computerverfahren, ob das Gehirn im Schlaf eher jĂŒnger oder Ă€lter wirkte als das tatsĂ€chliche Alter der Person. Die Differenz zwischen geschĂ€tztem Gehirnalter und tatsĂ€chlichem Alter wurde als Gehirnalterswert im Schlaf bezeichnet.
Ein um zehn Jahre höherer Gehirnalterswert im Schlaf war mit einem 39 % höheren Risiko verbunden, spĂ€ter eine Demenz zu entwickeln. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn die Wissenschaftler Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, Gewicht, Rauchen, Schlafmittel, körperliche AktivitĂ€t, Vorerkrankungen, Schlafapnoe, geistige LeistungsfĂ€higkeit zu Beginn und ein wichtiges Alzheimer-Risikogen berĂŒcksichtigten. Insgesamt entwickelten 1.082 Teilnehmende im Verlauf eine Demenz oder eine wahrscheinliche Demenz.
Die Studie zeigt einen Zusammenhang, aber keinen Beweis fĂŒr Ursache und Wirkung. Ein Ă€lter wirkendes Gehirn im Schlaf verursacht also nicht automatisch Demenz. Der Wert könnte aber ein frĂŒher Hinweis darauf sein, dass das Gehirn bereits belastet ist oder genauer beobachtet werden sollte.
đĄ Was kannst Du daraus fĂŒr Dich mitnehmen?
Schlaf ist nicht nur Erholung, sondern kann wichtige Hinweise auf die Gesundheit Deines Gehirns geben. Die Studie zeigt nicht, dass eine einzelne schlechte Nacht gefĂ€hrlich ist. Sie macht aber deutlich, dass langfristige SchlafqualitĂ€t und Gehirngesundheit eng zusammenhĂ€ngen könnten. Achte deshalb auf regelmĂ€Ăige Schlafzeiten, ausreichend Schlaf, Bewegung und eine gute Behandlung von Schlafproblemen wie starkem Schnarchen oder Atemaussetzern. Wenn Schlafprobleme lĂ€nger anhalten, lohnt sich eine Ă€rztliche AbklĂ€rung.
đ° Zum Artikel in JAMA Netw Open:
https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2846719