🩺 Aus der Medizin | Multivitamine im Check: Was Studien wirklich zeigen und was nicht

Wissenschaftler aus Singapur und den Niederlanden haben in einer Übersichtsarbeit zusammengetragen, was große Überblicksarbeiten zu Multivitaminpräparaten mit Mineralstoffen zeigen. Dafür durchsuchten sie zwei wissenschaftliche Datenbanken und schlossen 19 Meta-Analysen aus den Jahren 2000 bis 2025 ein, insgesamt mit Daten von mindestens 5.535.426 Menschen. Darunter waren 333.943 Schwangerschaften sowie 904.947 Kinder, die über die Supplement-Einnahme der Mutter erfasst wurden.

Das Gesamtbild ist gemischt. In randomisierten Studien, also robusteren Studiendesigns, zeigten sich je nach Zielgruppe kleine Vorteile, zum Beispiel bessere Gedächtnis- und Denkwerte bei älteren oder geistig gesunden Erwachsenen, weniger Stress und leichte psychische Beschwerden bei gesunden Personen sowie ein kleiner Rückgang des oberen Blutdruckwerts, vor allem bei Menschen mit erhöhtem Risiko. Gleichzeitig fanden diese Studien keinen klaren Effekt auf die Gesamtsterblichkeit und auch keinen Nutzen bei COVID-19-Verläufen oder der Sehschärfe. In einer Analyse wurde sogar ein stärkeres Fortschreiten einer altersbedingten Netzhauterkrankung berichtet.

Beobachtungsstudien zeigen nur Zusammenhänge. Dort fanden sich teils niedrigere Risiken für Darmkrebs, koronare Herzkrankheit, Grauen Star und Brüche an der Hüfte und angrenzenden Knochen, aber keine konsistenten Vorteile für Brust- oder Prostatakrebs, Schlaganfall oder die Gesamtsterblichkeit. In der Schwangerschaft waren Multivitaminpräparate mit Mineralstoffen mit weniger Kindern verbunden, die zu klein für die Schwangerschaftswoche geboren wurden und mit niedrigeren Risiken für bestimmte Krebserkrankungen im Kindesalter. Frühgeburt, Totgeburt und niedriges Geburtsgewicht wurden nicht klar beeinflusst. Weil sich Multivitaminprodukte stark unterscheiden und Nutzer oft insgesamt gesünder leben, betonen die Autoren, es gehe eher um gezieltes Auffüllen echter Lücken als um eine pauschale Empfehlung für alle.

💡 Was kannst Du daraus für Dich mitnehmen?

Erwarte von einem Multivitamin nicht automatisch ein längeres Leben, dafür zeigt die beste Studienlage keinen klaren Effekt. Wenn Du aber zu einer Risikogruppe gehörst, etwa weil Du sehr einseitig isst, wenig Appetit hast, im Alter seltener kochst oder bestimmte Lebensmittel meidest, kann ein Präparat eher als Sicherheitsnetz sinnvoll sein, idealerweise nach einem Check Deiner Ernährung und bei Bedarf auch von Blutwerten. Bei Blutdruck, Stress oder Gedächtnis scheinen manche Menschen messbar zu profitieren, die Effekte sind aber meist klein und nicht garantiert.

📰 Zum Artikel in Ageing Research Reviews:

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1568163725003113

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