Wissenschaftler aus den USA haben in einer langfristigen Studie untersucht, ob Alltagsbewegung den Verlauf sehr früher Alzheimerprozesse beeinflussen kann. Sie begleiteten 296 geistig unauffällige Erwachsene zwischen 50 und 90 Jahren über bis zu 14 Jahre. Zu Beginn trugen die Teilnehmenden eine Woche lang einen Schrittzähler. Regelmäßig wurden Gedächtnistests durchgeführt und bei vielen Teilnehmenden zusätzlich Hirnscans auf typische Alzheimer-Eiweiße. Die Studie kann nur Zusammenhänge zeigen, keine klaren Ursache-Wirkung-Beziehungen.
Entscheidend war, dass ein Teil der Personen bereits frühe Alzheimer-Veränderungen im Gehirn hatte, jedoch noch keine Symptome. Bei diesen Menschen war eine höhere tägliche Schrittzahl mit einem langsameren geistigen Abbau und weniger Einbußen im Alltag verbunden. Gleichzeitig zeigte sich, dass mehr Bewegung nicht mit einer geringeren Menge des einen Alzheimer-Eiweißes Amyloid zusammenhing, sondern vor allem mit einer langsameren Zunahme eines zweiten Eiweißes namens Tau, das stark mit Denkstörungen verknüpft ist. Diese langsamere Tau-Zunahme erklärte einen großen Teil des günstigeren Verlaufs von Gedächtnis und Alltag. Bei Menschen ohne frühe Alzheimerveränderungen zeigten sich dagegen keine klaren Vorteile höherer Schrittzahlen.
Spannend ist der Blick auf die Intensität der Bewegung. Die Wissenschaftler teilten die Teilnehmenden in inaktive Personen mit bis zu 3000 Schritten pro Tag, leicht Aktive mit 3001 bis 5000 Schritten, moderat Aktive mit 5001 bis 7500 Schritten und sehr Aktive mit mehr als 7500 Schritten ein. Schon der Sprung von inaktiv auf leicht aktiv war bei Menschen mit frühem Risiko für Alzheimerveränderungen im Gehirn mit langsamerem Abbau verbunden. Bei rund 5000 bis 7500 Schritten pro Tag schienen sich die Vorteile weitgehend auszuschöpfen. Die Ergebnisse sprechen dafür, körperliche Inaktivität gerade bei gefährdeten Personen gezielt anzugehen. Sie bleiben Beobachtungsdaten und müssen in Interventionsstudien bestätigt werden.
💡 Was kannst Du daraus für Dich mitnehmen?
Für Dein Gehirn scheint ein bisschen mehr Bewegung schon viel wert zu sein, vor allem wenn Du Dein Leben eher sitzend gestaltest. Statt Dich von 10.000 Schritten abschrecken zu lassen, kann ein erreichbares Ziel von etwa 3000 bis 7500 Schritten pro Tag sinnvoll sein. Starte damit, Deinen aktuellen Durchschnitt einige Wochen zu messen, dann erhöhe Deine tägliche Schrittzahl in kleinen Etappen, zum Beispiel durch kurze zusätzliche Wege, Treppen statt Aufzug oder einen Abendspaziergang. Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern dass regelmäßige Bewegung zu einem festen, möglichst lebenslangen Teil Deines Alltags wird.
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