đź§  Aus der Psychologie | Singen und Musiktherapie: Warum gemeinsame Musik nicht automatisch die Stimmung hebt

Wissenschaftler aus Norwegen, Deutschland, Australien und weiteren Ländern haben in einer internationalen Studie untersucht, ob gemeinsames Musizieren depressive Symptome von Menschen mit Demenz in Pflegeheimen lindern kann. Insgesamt nahmen 1021 Bewohnerinnen und Bewohner aus 86 Pflegeheimen teil. Das Durchschnittsalter war  86 Jahre. Die Heime wurden zufällig vier Gruppen zugeteilt: Musiktherapie in Kleingruppen, gemeinsames Chorsingen, eine Kombination aus beidem oder die übliche Versorgung ohne zusätzliches Musikprogramm. Die Musikangebote liefen sechs Monate, zunächst zweimal pro Woche, später einmal pro Woche. Vor Beginn, nach drei und nach sechs Monaten erfassten die Teams, wie stark die Teilnehmenden unter depressiver Stimmung litten.

In allen Gruppen gingen depressive Beschwerden etwas zurück, auch in der Standardversorgung ohne Musikprogramm. Im Durchschnitt waren Musiktherapie und Chorsingen nach sechs Monaten nicht besser als die übliche Versorgung. Weil es sich um eine klinische Studie mit zufälliger Zuteilung handelt, wären Unterschiede zwischen den Gruppen ein Hinweis auf einen ursächlichen Effekt der Musikangebote. Da solche konsistenten Unterschiede ausblieben, sprechen die Ergebnisse gegen einen verlässlichen langfristigen Zusatznutzen der untersuchten Programme. Die Effekte unterschieden sich jedoch je nach Land. In einigen Ländern und bei Bewohnerinnen und Bewohnern mit stärker ausgeprägter Demenz oder regelmäßiger Teilnahme zeigten sich nach drei Monaten leichte Verbesserungen, diese hielten sich aber nicht zuverlässig bis zum Ende der Studie.

Die Wissenschaftler betonen, dass Musikangebote trotzdem als sichere, nicht medikamentöse Ergänzung gelten, deren Wirkung aber stark vom Umfeld abhängt. Kulturelle Unterschiede, die Qualität der Umsetzung, Personalausstattung und die üblichen Angebote im Heim können darüber entscheiden, ob ein zusätzliches Programm wirklich noch etwas verbessert. Die Studie macht deutlich, dass Musikinterventionen sorgfältig an Zielgruppe und Rahmenbedingungen angepasst werden müssen und wir besser verstehen sollten, wie sie wirken.

đź’ˇ Was kannst Du daraus fĂĽr Dich mitnehmen?

Musik kann bei Menschen mit Demenz Stimmung, Kontakt und Lebensqualität fördern, ist aber kein einfaches Wundermittel gegen Depression. Erwarte nicht, dass ein Chor oder eine Musikgruppe automatisch alle Probleme löst. Wichtiger ist, dass das Angebot zur Person, zur vertrauten Musik und zum Alltag im Pflegeheim passt und regelmäßig stattfindet. Frage nach, welche Musikangebote es gibt und ob Dein Angehöriger tatsächlich teilnehmen kann. Du kannst auch selbst aktiv werden, indem ihr vertraute Lieder singt, Musik hört oder euch im Rahmen der Möglichkeiten dazu bewegt. So entsteht mehr Nähe und Freude, auch wenn Musik eine Depression nicht allein heilen kann.

📰 Zum Artikel in Zeitschrift The Lancet – Health Longevity:

https://www.thelancet.com/journals/lanhl/article/PIIS2666-7568(25)00102-3/fulltext

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