🧠 Aus der Psychologie | Persönlichkeit und Lebensdauer: Was große Langzeitdaten über gesundes Altern zeigen

Wissenschaftler aus Irland und den USA haben in einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse untersucht, wie Persönlichkeit mit dem Sterberisiko zusammenhängt. Dafür werteten sie Längsschnittdaten aus 28 Studien aus. Insgesamt flossen Daten von 569.859 Menschen ein, im Durchschnitt waren die Teilnehmenden 61 Jahre alt. 53 % waren Frauen. Die Studien umfassten 43.851 Todesfälle und Daten aus Europa, Nordamerika, Australien und Japan.

Im Mittelpunkt standen fünf grundlegende Persönlichkeitsmerkmale: emotionale Instabilität, Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Menschen mit höherer emotionaler Instabilität, also stärkerer Neigung zu Sorgen, Ängstlichkeit und Stressreaktionen, hatten ein leicht erhöhtes Risiko, früher zu sterben. Dieser Zusammenhang war besonders in Gruppen mit jüngeren Teilnehmenden ausgeprägt. Höhere Gewissenhaftigkeit, also mehr Ordnung, Selbstdisziplin und Zielorientierung, hing dagegen mit einem niedrigeren Sterberisiko zusammen. Auch Extraversion, also Aktivität und Geselligkeit, zeigte einen schützenden Zusammenhang, allerdings vor allem in Studien aus Nordamerika und Australien.

Für Offenheit zeigte sich zunächst ebenfalls ein günstiger Zusammenhang, dieser hielt strengeren statistischen Prüfungen aber nicht stand. Für Verträglichkeit fanden die Wissenschaftler keinen klaren Zusammenhang mit dem Sterberisiko. Wichtig ist außerdem: Wenn gesundheitliche Faktoren wie Rauchen, Bewegung, Körpergewicht oder Vorerkrankungen berücksichtigt wurden, wurden die Zusammenhänge bei emotionaler Instabilität und Gewissenhaftigkeit schwächer. Das spricht dafür, dass Persönlichkeit teilweise über Alltagshandlungen und Gesundheitsverhalten wirken könnte. Die Studie beruht auf Beobachtungsdaten über längere Zeiträume. Sie zeigt also Zusammenhänge, aber keine eindeutige Ursache-Wirkung.

💡 Was kannst Du daraus für Dich mitnehmen?

Deine Persönlichkeit ist kein festes Schicksal, kann Dir aber Hinweise darauf geben, welche Gewohnheiten für Deine Gesundheit besonders wichtig sind. Wenn Du zu Sorgen, Stress oder emotionalem Grübeln neigst, lohnt es sich, aktiv an Stressbewältigung, Schlaf, Bewegung und sozialer Unterstützung zu arbeiten. Wenn Dir Selbstdisziplin schwerfällt, helfen feste Routinen, kleine Ziele und klare Erinnerungen. Besonders Gewissenhaftigkeit zeigt: Gesundheit entsteht oft nicht durch perfekte Entscheidungen, sondern durch wiederholbare Strukturen im Alltag.

📰 Zum Artikel in Journal of Personality and Social Psychology:

https://psycnet.apa.org/fulltext/2026-99529-001.html

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