GLP1-Wirkstoffe sind gerade das große Thema im Longevity Bereich und Anwendungsbereiche wie „micro dosen“ oder „off label“-Nutzung sind stark im Fokus. Im Podcast erklären zwei Experten, Professor Jens Juul Holst, der Entdecker von GLP1 als Darmhormon, und Dr. Eric Verdin, Direktor des Buck Institute for Research on Aging, warum GLP1 so relevant ist: GLP1 signalisiert nach dem Essen Sättigung, verlangsamt die Magenentleerung und beeinflusst auch die Insulinantwort. Bis daraus Medikamente wurden, dauerte es lange, weil GLP1 im Körper sehr schnell abgebaut wird und Nebenwirkungen gelöst werden mussten. Der erste GLP1 Wirkstoff wurde 2005 für Diabetes zugelassen.
Aus Longevity-Sicht ist der wichtigste Punkt zunächst banal, aber hoch relevant: Wenn auf GLP basierte Medikamente die Adipositaswelle bremsen, steigt die Lebenserwartung in der Bevölkerung, da Übergewicht viele Folgeprobleme verursacht. Gleichzeitig gibt es Hinweise, dass GLP1 nicht nur über Gewichtsverlust wirkt: In einer Herz-Kreislauf Studie sank das Risiko für Probleme deutlich, obwohl das Gewicht sich nicht änderte. Die Experten vermuten zusätzliche Effekte über Insulinempfindlichkeit, Entzündung und Gefäße, also Prozesse, die viele Alterskrankheiten gemeinsam haben. Dazu passen auch Ergebnisse aus Tierstudien: Hohe GLP1-Dosen verlängerten bei Mäusen und Ratten das Leben, vermutlich weil sie seltener „zu viel“ essen.
Bei der Gehirngesundheit bleibt die Lage uneindeutig: Eine Alzheimer-Studie mit einem älteren, oral eingenommenen GLP1 und eher niedriger Dosis war negativ. Das müsse aber nicht das Ende der Hoffnung sein, weil die Wirkstoffe nicht direkt ins Gehirn gehen und bei späten Behandlungszeitpunkten weniger Reparaturwirkungen auftreten könen. Denkbar sind indirekte Effekte durch geringere Entzündungswerte, einem besseren Zustand der Gefäße und weniger Überlastung durch Zucker und Fett.
Klar ist aber auch: Der Boom hat Schattenseiten. Günstige, nicht gründlich kontrollierte Nachahmerprodukte können gefährlich sein und die ideale Dosis scheint sehr individuell zu sein. Schneller Gewichtsverlust kann Muskelmasse kosten. Das ist nicht einzigartig für GLP1, aber ein Grund, langsamer vorzugehen und Training, Eiweiß und Nährstoffe mitzubetrachten. Als relevante Risiken nennen die Experten unter anderem Probleme bei ohnehin verlangsamter Magenentleerung, Gallensteine bei Gewichtsverlust, sehr selten eine Entzündung am Sehnerv mit möglicher Erblindung sowie sehr selten Suizidgedanken.
💡 Was kannst Du daraus für Dich mitnehmen?
Wenn Du Übergewicht, Stoffwechselprobleme oder ein hohes Risiko für Folgekrankheiten hast, können GLP1-Wirkstoffe ein wirksames Werkzeug sein. Sie ersetzen jedoch keinen gesunden Lebensstil. Wenn GLP1 für Dich in Frage kommst, gehe langsam und planvoll vor, finde die Dosis individuell, peile Gewichtsverlust über ein bis zwei Jahre an und baue parallel Kraft und Ausdauer auf, während Du auf ausreichend Eiweiß und Nährstoffe achtest. Wichtig: GLP1 Medikamente sind in Deutschland verschreibungspflichtig und sollten nur bei ärztlicher Indikation und unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.
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