Wissenschaftler aus den USA (University of Minnesota Twin Cities und UCLA) haben mit Daten der groĂen MIDUS-Langzeitstudie untersucht, wie sich Einsamkeit auf das biologische Alter und spĂ€tere Krankheiten auswirkt. Grundlage waren Blut- und Befragungsdaten von 1.310 Erwachsenen (Durchschnitt 54 Jahre, 55 Prozent Frauen). Ein Teil der Gruppe, 445 Personen, wurde rund sieben Jahre spĂ€ter erneut zu chronischen Erkrankungen befragt. Zuerst erfassten die Teams das EinsamkeitsgefĂŒhl, etwa 2,5 Jahre danach bestimmten sie das biologische Alter im Blut und nach etwa sieben weiteren Jahren lieĂen die Wissenschaftler die Zahl der angegebenen Diagnosen erneut erfassen.
Die Teams nutzten moderne epigenetische Uhren. Vereinfacht gesagt lesen diese aus chemischen Mustern auf der DNA ab, wie schnell der Körper altert, welches oft aussagekrĂ€ftiger als das Geburtsdatum ist. Ergebnis: Einsamkeit hing mit schnellerem biologischem Altern zusammen. Der Zusammenhang war klein, blieb aber in mehreren Messverfahren sichtbar und schwĂ€chte sich ab, wenn Rauchverhalten, Körpergewicht oder Alkoholkonsum berĂŒcksichtigt wurden.
FĂŒr den Alltag wichtig ist, dass Einsamkeit auch mit einer leicht steigenden Zahl chronischer Erkrankungen ĂŒber die Jahre zusammenhing. Das schnellere biologische Altern erklĂ€rte diesen Effekt nicht, es verstĂ€rkte ihn eher bei manchen Menschen. In einer der genaueren Uhren (DunedinPACE) fiel der gesundheitliche Nachteil von Einsamkeit bei Personen mit beschleunigtem Altern etwas deutlicher aus. Insgesamt handelt es sich um Beobachtungsdaten, keine KausalitĂ€t. Umgekehrt ist denkbar, dass schlechtere Gesundheit Einsamkeit fördert.
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Die Studie hat Grenzen. Einsamkeit und biologische Alterung wurden jeweils nur einmal gemessen, Diagnosen wurden selbst berichtet, und nicht alle Teilnehmenden hatten lÀngere Nachbeobachtungen. Dennoch liefert die Arbeit einen Puzzlestein: Einsamkeit geht mit schnellerem Altern einher und kann sich, besonders bei ohnehin schneller alternden Menschen, in mehr Krankheiten niederschlagen.
đĄ Was kannst Du daraus fĂŒr Dich mitnehmen?
RegelmĂ€Ăige NĂ€he zĂ€hlt. Plane feste Kontakte mit Familie, Freunden oder Nachbarn ein. Kurze Begegnungen im Alltag sind ebenfalls wertvoll. SpĂŒrst Du ĂŒber Wochen anhaltende Einsamkeit, sprich das offen an, zum Beispiel im Freundeskreis, in einer Gruppe oder mit Deiner HausĂ€rztin oder Deinem Hausarzt. So stĂ€rkst Du zugleich Dein soziales Netz und die biologischen Grundlagen fĂŒr gesundes Altern.
đ° Zum Artikel in Psychology and Aging: