Wissenschaftler aus Dänemark haben untersucht, wie Konflikte rund um eine Scheidung mit der Gesundheit zusammenhängen. Dafür werteten sie eine Langzeit-Beobachtungsstudie mit 1.784 Dänen aus, die zwischen 2015 und 2017 geschieden wurden. Die Teilnehmenden waren im Schnitt 45 Jahre alt, 67 % waren Frauen. Betrachtet wurden fünf Jahre vor und fünf Jahre nach der rechtlichen Scheidung.
Gemessen wurde, wie stark der Konflikt zwischen den früheren Partnern war. Dazu zählten unter anderem Streit über Kinder, Finanzen oder emotionale Themen, aber auch feindselige Kommunikation, Misstrauen und ein destruktiver Umgang miteinander. Die Gesundheitsdaten stammten nicht nur aus Selbstauskünften, sondern aus nationalen Registern. Erfasst wurden Verschreibungen bestimmter Medikamente, Arzt- oder Psychologenkontakte und Krankenhausaufenthalte.
Das zentrale Ergebnis war: Mehr Scheidungskonflikt hing mit schlechteren Gesundheitswerten zusammen. Ein deutlicher Anstieg des Konfliktniveaus war in den fünf Jahren nach der Scheidung mit 28 % mehr Medikamentenverschreibungen, 5 % mehr Arzt- oder Psychologenkontakten und 13 % höherer Wahrscheinlichkeit für einen Krankenhausaufenthalt verbunden. Besonders auffällig war, dass gesundheitliche Belastungen oft schon vor der rechtlichen Scheidung zunahmen. Die Scheidung erscheint damit weniger als einzelnes Ereignis, sondern eher als längerer Belastungsprozess.
Wichtig ist aber: Die Studie ist eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt Zusammenhänge, beweist aber keine eindeutige Ursache-Wirkung. Es ist auch möglich, dass Menschen mit bereits höherer Belastung eher in konfliktreiche Scheidungsprozesse geraten. Trotzdem sprechen die Daten dafür, Konflikte in Trennungsphasen ernst zu nehmen.
đź’ˇ Was kannst Du daraus fĂĽr Dich mitnehmen?
Ein anhaltender Beziehungskonflikt ist nicht nur emotional belastend, sondern kann auch mit Deiner Gesundheit zusammenhängen. Wenn eine Trennung oder Scheidung sehr konfliktreich verläuft, lohnt es sich, früh Unterstützung zu suchen, etwa durch Mediation, psychologische Beratung oder Paar- und Elternberatung bei gemeinsamen Kindern. Auch klare Kommunikationsregeln, feste Absprachen und weniger spontane Eskalationskontakte können helfen, Dauerstress zu reduzieren.
đź“° Zum Artikel in British Journal of Health Psychology:
https://bpspsychub.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bjhp.70075