Wissenschaftler aus den USA, der Schweiz, Deutschland und Finnland haben untersucht, warum die Lebenserwartung in den USA seit Jahren kaum noch zunimmt. Grundlage ist eine große Auswertung von US-Sterbedaten aus den Jahren 1979 bis 2023. Analysiert wurden Erwachsene im Alter von 20 bis 89 Jahren sowie Geburtsjahrgänge von den 1890er bis zu den 1980er Jahren.
Die Auswertung zeigt zwei gleichzeitige Entwicklungen. Zum einen verschlechterten sich die Sterblichkeitstrends bei bestimmten Geburtsjahrgängen. Besonders die zwischen 1950 und 1959 Geborenen markieren offenbar einen Wendepunkt. Frühere Jahrgänge hatten meist noch günstigere Entwicklungen und spätere Jahrgänge häufiger schlechtere. Zum anderen setzte ab etwa 2010 eine breitere Verschlechterung ein, die fast alle damals lebenden erwachsenen Jahrgänge betraf. Vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielten dabei eine wichtige Rolle.
Besonders beunruhigend ist, dass auch bei Menschen, die nach 1970 geboren wurden, ungünstige Muster sichtbar waren, nicht nur bei Unfällen, Drogenmissbrauch oder anderen von außen bedingten Todesursachen, sondern auch bei Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das spricht dafür, dass das Problem nicht auf eine einzelne Ursache zurückgeht. Die Autoren beschreiben vielmehr ein Zusammenspiel aus Entwicklungen in einzelnen Generationen und allgemeinen Verschlechterungen über die Zeit. Auch in den Pandemiejahren 2019 bis 2023 stieg die Sterblichkeit in vielen Gruppen weiter an, mit einer leichten Erholung bis 2023.
Wichtig ist: Die Studie belegt keine eindeutige Ursache und Wirkung. Sie zeigt Muster in Bevölkerungsdaten und macht sichtbar, welche Jahrgänge und Todesursachen besonders betroffen sind. Warum genau diese Trends entstanden sind, kann die Analyse nicht sicher klären. Die Autoren nennen aber mehrere mögliche Einflussfaktoren, darunter soziale Ungleichheit, Übergewicht, ungesunde Ernährung, Stress und nachlassende Fortschritte bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
💡 Was kannst Du daraus für Dich mitnehmen?
Gesundheit hängt nicht nur von Medizin ab, sondern wird auch stark von Lebensstil und gesellschaftlichen Bedingungen geprägt. Gerade Herz-Kreislauf-Gesundheit, Gewicht, Ernährung, Bewegung und Stress scheinen wichtig zu sein, wenn sich die Lebenserwartung langfristig verbessern soll. Für den Alltag heißt das: Kümmere Dich früh um Gewohnheiten, die Du über viele Jahre halten kannst, statt erst zu reagieren, wenn Beschwerden da sind. Ebenso wichtig ist der Blick auf das Umfeld, denn Gesundheit entsteht nicht nur durch einzelne Entscheidungen, sondern auch durch die Bedingungen, unter denen Menschen leben.
📰 Zum Artikel in Proceedings of the National Academy of Sciences: