Wissenschaftler aus China haben untersucht, ob veränderbare Gesundheitsfaktoren auch im sehr hohen Alter noch mit einer längeren Lebenserwartung zusammenhängen und welche Rolle die genetische Veranlagung dabei spielt. In einer prospektiven Kohortenstudie werteten sie Daten von 1.545 Menschen ab 80 Jahren aus der China Hainan Centenarian Cohort Study aus, darunter auch viele Hundertjährige. Die Teilnehmenden wurden im Mittel gut vier Jahre begleitet. In dieser Zeit wurden 1.020 Todesfälle erfasst.
Die Wissenschaftler betrachteten zwei Bereiche: die genetische Veranlagung für Langlebigkeit und elf veränderbare Risikofaktoren. Dazu gehörten unter anderem Bildung, depressive Symptome, Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegung, Ernährung, Schlafdauer, Körpergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und Blutfettwerte. Menschen mit einem günstigen Profil bei diesen Faktoren hatten ein um 40,7 % niedrigeres Sterberisiko als Menschen mit einem ungünstigen Profil. Eine günstige genetische Veranlagung war ebenfalls mit einem niedrigeren Sterberisiko verbunden. Der Effekt war mit 13 % aber kleiner.
Besonders interessant war die Kombination. Die niedrigste Sterblichkeit hatten Menschen, die sowohl eine günstige genetische Veranlagung als auch ein günstiges Risikoprofil hatten. Im Alter von 80 Jahren war diese Kombination mit einer geschätzten weiteren Lebenserwartung von 18,3 Jahren verbunden. Bei ungünstiger genetischer Veranlagung und ungünstigem Risikoprofil lag sie bei 11,4 Jahren. Gleichzeitig zeigte sich, dass ein ungünstiges Risikoprofil den Vorteil guter Gene weitgehend abschwächen konnte.
Die Studie beschreibt Zusammenhänge und belegt keine eindeutige Ursache-Wirkung. Trotzdem spricht sie dafür, dass Lebensstil und beeinflussbare Gesundheitsfaktoren selbst im hohen Alter noch eine wichtige Rolle spielen. Die Ergebnisse gelten vor allem für sehr alte Menschen aus der untersuchten chinesischen Region und sollten nicht eins zu eins auf alle Bevölkerungen übertragen werden.
💡 Was kannst Du daraus für Dich mitnehmen?
Auch im hohen Alter scheint es nicht zu spät zu sein, an beeinflussbaren Gesundheitsfaktoren zu arbeiten. Gute Gene können hilfreich sein, aber sie ersetzen keinen gesunden Alltag. Besonders sinnvoll ist ein Gesamtblick auf mehrere Bereiche: ausreichend Bewegung, guter Schlaf, Nichtrauchen, bewusste Ernährung, ein stabiles Körpergewicht, gute Werte bei Blutdruck und Blutzucker sowie psychisches Wohlbefinden. Die wichtigste Botschaft lautet: Langlebigkeit ist nicht nur Schicksal, sondern bleibt zu einem Teil gestaltbar.
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