🧠 Aus der Psychologie | Stress ist nicht nur Gefühl: Körper und Kopf senden gemeinsam Signale

Wissenschaftler aus Deutschland haben untersucht, ob sich die Stressreaktion von Jugendlichen in einer standardisierten Stresssituation auch im Alltag zeigt. Dafür analysierten sie Daten von 163 Jugendlichen im Alter von 11 bis 18 Jahren, im Schnitt 14 Jahre alt und zu 53 Prozent weiblich. In einem Labortest, dem Trier Social Stress Test für Kinder, mussten die Teilnehmenden unter Beobachtung eine Aufgabe vortragen und Kopfrechnen. Dabei wurde Cortisol im Speichel sowie das subjektive Stressempfinden mehrfach gemessen. Zusätzlich füllten alle einen Stressfragebogen aus, eine Teilgruppe von 58 Jugendlichen beantwortete außerdem eine Woche lang fünfmal täglich kurze Smartphone Fragen zu aktuellem Stress und körperlichen Beschwerden.

Die Stressaufgabe wirkte wie erwartet. Das subjektive Stressempfinden stieg während der Aufgaben stark an und fiel danach wieder ab, Cortisol reagierte zeitversetzt und erreichte später seinen Höhepunkt. Ein höheres Cortisolniveau schon vor der Stressaufgabe hing mit mehr körperlichen Stressbeschwerden im Fragebogen zusammen. Wer sich vor der Aufgabe bereits gestresster fühlte oder während der Aufgabe stärker reagierte, berichtete häufiger psychische Stresssymptome. Eine stärkere Zunahme des subjektiven Stresses ging außerdem mit höherer Stressanfälligkeit im Fragebogen einher.

Auch im Alltag zeigte sich ein Zusammenhang. Jugendliche mit höherem Cortisol und höherem subjektivem Stress vor der Aufgabe berichteten in den Smartphone Abfragen im Schnitt mehr Alltagsstress. Eine stärkere Cortisolreaktion während der Aufgabe hing zudem mit mehr körperlichen Beschwerden im Alltag zusammen. Hinweise auf stärker schwankenden oder weniger stabilen Stress im Alltag fanden die Wissenschaftler nicht. Wichtig ist: Die Ergebnisse zeigen vor allem Zusammenhänge, keine Ursache Wirkung, auch wenn der Labortest selbst kurzfristig Stress auslöst. Zudem lagen die Smartphone Daten nur für eine kleinere Teilgruppe vor.

💡 Was kannst Du daraus für Dich mitnehmen?

Wenn Jugendliche bereits eine hohe Grundspannung haben, zeigt sich das oft im Labor und im Alltag, mit mehr Stressgefühlen und häufiger körperlichen Signalen wie Kopfweh oder Bauchgrummeln. Es kann helfen, Stress nicht nur an einzelnen Ereignissen festzumachen, sondern auch an wiederkehrenden Körperzeichen und der Stimmung. Kurze Check-ins über den Tag, etwa morgens, nach der Schule und abends, können Muster sichtbar machen. Wenn Stress und körperliche Beschwerden über Wochen häufig sind oder der Schlaf leidet, lohnt sich frühzeitig Unterstützung, zum Beispiel durch Eltern, Schule oder Kinderarzt.

📰 Zum Artikel in Health Psychology:

https://econtent.hogrefe.com/doi/10.1027/2512-8442/a000183

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