Wissenschaftler aus den USA, Kanada und Deutschland haben untersucht, ob gemeinsam erlebte positive Gefühle bei älteren Paaren mit weniger körperlichem Stress zusammenhängen. Dafür bündelten sie Daten aus drei Beobachtungsstudien. Insgesamt nahmen 321 zusammenlebende Paare im Alter von 56 bis 89 Jahren aus Kanada und Deutschland teil. Eine Woche lang beantworteten beide Partner mehrmals täglich kurze Fragen zu positiven Gefühlen (wie glücklich, interessiert oder entspannt) und gaben parallel Speichelproben ab, aus denen das Stresshormon Cortisol bestimmt wurde.
Die zentrale Idee war, dass nicht nur zählt, ob sich eine Person gut fühlt, sondern ob beide Partner zur gleichen Zeit besser gelaunt sind als sonst, während sie zusammen sind. Genau das kam häufig vor: In Momenten, in denen die Partner zusammen waren, berichteten beide in rund 38 Prozent der Messzeitpunkte mehr positive Gefühle als ihren persönlichen Durchschnitt. Besonders häufig waren gemeinsames Erleben von Entspannung und Glück.
Je mehr beide Partner gleichzeitig in einer besseren Stimmung waren, desto niedriger war ihr Cortisol in diesem Moment. Im Durchschnitt lagen die Werte bei solchen gemeinsamen Hochs um etwa 1,03 nmol/L niedriger, selbst wenn Faktoren wie Tageszeit, Alter, Medikamente, Kaffee, Alkohol, Bewegung und das jeweils eigene Stimmungshoch berücksichtigt wurden. In Zusatzanalysen zeigte sich der Zusammenhang vor allem für gemeinsam erlebtes Glück und Entspannung.
Wichtig ist: Es handelt sich um Beobachtungsdaten, die Ergebnisse zeigen also Zusammenhänge, aber keine eindeutige Ursache Wirkung. Allerdings deuteten Zeitvergleiche darauf hin, dass gemeinsame positive Momente eher zu niedrigerem Cortisol beim nächsten Messzeitpunkt passten, nicht umgekehrt.
💡 Was kannst Du daraus für Dich mitnehmen?
Gemeinsam gute Momente sind offenbar nicht nur schön, sie gehen bei Paaren im Alltag mit messbar weniger Stress im Körper einher. Plane deshalb bewusst kleine Situationen, in denen ihr gleichzeitig etwas Positives erlebt, zum Beispiel einen kurzen Spaziergang, einen gemeinsamen Kaffee ohne Handy, ein Abendritual zum Runterkommen oder ein kurzes Gespräch über etwas, das euch gerade freut. Besonders hilfreich könnten Momente sein, die Glück und Entspannung fördern, also Lachen, Dankbarkeit, Ruhe und Nähe. Auch wenn die Studie keine Ursache Wirkung beweist, spricht sie dafür, dass geteilte positive Gefühle ein alltagstauglicher Hebel für ein niedrigeres Stressniveau sein können.
📰 Zum Pre-Print des Artikels in Journal of Personality and Social Psychology: