In der neuen Folge des Physionic Podcasts ordnet Dr. Nicolas Verhoeven eine aktuelle Studie zu Kreatin, Darmbakterien und Depression ein. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Menschen mit diagnostizierter schwerer Depression weniger Kreatin im Blut und in der Flüssigkeit rund um das Gehirn hatten, gleichzeitig aber mehr Kreatin im Stuhl. Das deutet darauf hin, dass Kreatin möglicherweise nicht ausreichend aus dem Darm aufgenommen oder im Körper verfügbar gemacht wird.
Besonders spannend ist, dass auch bei Mäusen der Kreatinspiegel im Blut sank, wenn ihnen Darmbakterien von Menschen mit Depression übertragen wurden. Laut Verhoeven spricht das dafür, dass das Darmmikrobiom eine Rolle dabei spielen könnte, wie viel Kreatin dem Körper und möglicherweise dem Gehirn zur Verfügung steht.
Bei Studien zu Kreatin gegen depressive Symptome ist die Lage allerdings gemischt. Einige Studien zeigen keinen Nutzen, oft aber in sehr speziellen Gruppen oder ohne klinisch diagnostizierte Depression. Studien mit Menschen, die tatsächlich eine diagnostizierte, oft schwer behandelbare Depression hatten und zusätzlich Medikamente einnahmen, zeigen eher positive Effekte. Wichtig ist, dass Kreatin nach dieser Einordnung nicht als alleinige Behandlung belegt ist.
Eine kleine Zusatzstudie kombinierte Kreatin mit einem bestimmten Darmbakterium. Nach einem Monat verbesserten sich die Depressionswerte deutlich stärker als in der Placebogruppe. Trotzdem bleibt offen, ob Kreatin, das Bakterium oder die Kombination entscheidend war. Die Daten sind interessant, aber noch nicht stark genug für klare Therapieempfehlungen.
💡 Was kannst Du daraus für Dich mitnehmen?
Kreatin ist nicht nur ein Thema für Sport und Muskeln, sondern könnte auch mit Energieversorgung, Darm und Stimmung zusammenhängen. Das heißt für Menschen mit Depression aber nicht, dass sie sich einfach selbst behandeln sollten. Die bisherigen Hinweise betreffen vor allem klinisch diagnostizierte Depressionen und meist eine Ergänzung zu bestehender Behandlung. Wenn Dich das Thema betrifft, sprich mit ärztlichen oder psychotherapeutischen Fachpersonen, bevor Du Kreatin gezielt wegen depressiver Beschwerden einnimmst.
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