Wissenschaftler aus den USA haben in einer großen Langzeitstudie untersucht, ob ein positives Bild vom eigenen Älterwerden damit zusammenhängt, dass sich geistige und körperliche Fähigkeiten im Alter nicht nur erhalten, sondern sogar verbessern. Grundlage waren Daten einer landesweit repräsentativen US-Studie. Für die geistige Entwicklung wurden 11.314 Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren betrachtet, für die körperliche Entwicklung 4.638 Erwachsene ab 65 Jahren mit einem Durchschnittsalter von 74 Jahren. Die Teilnehmenden wurden bis zu 12 Jahre lang begleitet.
Die Ergebnisse stellen ein verbreitetes Altersbild infrage. Älterwerden bedeutet nicht automatisch nur Abbau. Bei den Menschen, für die Angaben zu beiden Bereichen vorlagen, verbesserten sich 45,15 Prozent im Denken oder in der Gehgeschwindigkeit. Betrachtet man die Bereiche einzeln, zeigten 32 Prozent eine bessere geistige Leistung und 28 Prozent eine schnellere Gehgeschwindigkeit als zu Beginn.
Besonders spannend war der Blick auf die Einstellung zum Alter. Menschen mit positiveren Altersvorstellungen, also solche, die Älterwerden weniger mit Nutzlosigkeit und mehr mit Zufriedenheit verbanden, hatten häufiger Verbesserungen in beiden Bereichen. Dieser Zusammenhang blieb auch dann bestehen, wenn viele andere Faktoren berücksichtigt wurden, etwa Bildung, depressive Beschwerden, Schlafprobleme, soziale Isolation sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.
Die Studie zeigt damit, dass ein positives Altersbild ein wichtiger Hebel für gesundes Altern sein könnte. Allerdings belegt auch diese Untersuchung keine sichere Ursache und Wirkung. Es handelt sich um Beobachtungsdaten. Sie zeigen Zusammenhänge, können aber nicht beweisen, dass positive Altersvorstellungen direkt zu besseren geistigen oder körperlichen Fähigkeiten führen.
💡 Was kannst Du daraus für Dich mitnehmen?
Wie Du über das Älterwerden denkst, könnte mehr Einfluss auf Deine Gesundheit haben, als oft angenommen wird. Es kann deshalb sinnvoll sein, negative Altersbilder im Alltag bewusst zu hinterfragen und den Blick stärker auf Entwicklung, Lernfähigkeit und Fortschritte zu richten. Hilfreich sind Formulierungen und Gewohnheiten, die Älterwerden nicht als reinen Verlust sehen, sondern als Lebensphase, in der Verbesserungen weiterhin möglich sind. Das kann die Motivation stärken, aktiv zu bleiben und an die eigene Veränderungsfähigkeit zu glauben.
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