đź§  Aus der Psychologie | Diskriminierung und biologisches Altern: Warum die emotionale Belastung relevant sein kann

Wissenschaftler aus den USA haben in zwei nationalen Langzeitstudien untersucht, ob Diskriminierung mit schnellerer biologischer Alterung zusammenhängt. Dabei ging es nicht nur darum, wie häufig Menschen Diskriminierung erleben, sondern vor allem darum, wie stark sie emotional darauf reagieren.

In der ersten Studie wurden 397 Erwachsene aus der MIDUS-Studie untersucht. Sie waren im Schnitt etwa 50 Jahre alt und führten acht Tage lang ein tägliches Tagebuch. In der zweiten Studie nutzten die Wissenschaftler Daten von 2.059 Erwachsenen aus der Health and Retirement Study. Diese Teilnehmenden waren im Schnitt etwa 62 Jahre alt und wurden zwischen 2008 und 2016 mehrfach befragt. Zusätzlich wurden Blutproben ausgewertet, um Hinweise auf das biologische Alter zu erfassen.

Das zentrale Ergebnis: Menschen berichteten mehr negative Gefühle, wenn sie Diskriminierung erlebten. Besonders wichtig war aber die Stärke dieser emotionalen Reaktion. Wer auf Diskriminierung wiederholt mit stärkeren negativen Gefühlen reagierte, zeigte häufiger Hinweise auf schnellere biologische Alterung. Dieser Zusammenhang zeigte sich in beiden Studien, in der größeren Studie sogar bei zwei verschiedenen Messwerten für biologisches Altern. Die reine Häufigkeit von Diskriminierung war dagegen nicht zuverlässig mit biologischer Alterung verbunden.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass nicht nur das Erlebnis selbst zählt, sondern auch die wiederholte innere Belastung, die daraus entstehen kann. Das passt zu der Idee, dass chronischer Stress den Körper mit der Zeit stärker abnutzen kann. Wichtig ist aber: Es handelt sich um Beobachtungsdaten. Die Studie zeigt also Zusammenhänge, beweist aber nicht eindeutig, dass Diskriminierung direkt schnelleres biologisches Altern verursacht.

đź’ˇ Was kannst Du daraus fĂĽr Dich mitnehmen?

Diskriminierung ist nicht einfach nur ein unangenehmes soziales Erlebnis, sondern kann mit echter körperlicher Belastung verbunden sein. Entscheidend scheint auch zu sein, wie stark Dich solche Erfahrungen emotional mitnehmen und ob Dein Körper immer wieder in Stress gerät. Hilfreich kann sein, solche Erlebnisse nicht herunterzuspielen, sondern bewusst für Erholung, soziale Unterstützung und klare Grenzen zu sorgen. Wenn Dich wiederholte Abwertung, Ausgrenzung oder ungerechte Behandlung länger belastet, kann es sinnvoll sein, darüber zu sprechen und Dir Unterstützung zu holen. Das bedeutet nicht, dass die Verantwortung bei Dir liegt, sondern dass Dein Körper Schutz und Entlastung verdient.

đź“° Zum Artikel in Health Psychology:

https://psycnet.apa.org/fulltext/2027-83933-001.html

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