🩺 Aus der Medizin | SuperAger: Warum manche Gehirne im Alter erstaunlich jung bleiben

Wissenschaftler aus den USA haben die ersten 25 Jahre des SuperAging Programms der Northwestern University zusammengefasst. Dabei handelt es sich nicht um eine einzelne klassische Studie, sondern um ein langfristiges Forschungsprogramm mit Gedächtnistests, Gehirnscans und Untersuchungen von Gehirngewebe nach dem Tod. Insgesamt wurden 290 Teilnehmende untersucht. Aktuell umfasst das Programm 133 aktive ältere Erwachsene. Dazu zählen 101 sogenannte SuperAger mit einem Durchschnittsalter von 90,1 Jahren und 32 gleichaltrige Vergleichspersonen mit einem Durchschnittsalter von 89 Jahren. Zusätzlich lagen bisher 77 Untersuchungen von Gehirnen nach dem Tod vor.

Als SuperAger gelten Menschen ab 80 Jahren, die sich in einem Wortgedächtnistest mindestens 9 von 15 Wörtern merken können. Das entspricht eher der durchschnittlichen Leistung von Menschen, die 20 bis 30 Jahre jünger sind. Zum Vergleich: Bei Menschen über 80 liegt der typische Wert eher bei etwa 5 von 15 Wörtern. Die übrigen geistigen Fähigkeiten mussten mindestens im altersüblichen Bereich liegen.

Die Ergebnisse zeigen: SuperAger unterscheiden sich nicht nur im Gedächtnis, sondern auch biologisch. Ihr Gehirn zeigte weniger altersübliche Schrumpfung, in bestimmten Bereichen war es sogar mit dem Gehirn deutlich jüngerer Erwachsener vergleichbar oder dicker. Außerdem fanden die Wissenschaftler weniger Veränderungen, wie sie typisch für Alzheimer sind, weniger Entzündungszeichen im Gehirn, besser erhaltene Systeme für Aufmerksamkeit und Gedächtnis sowie mehr spezielle Nervenzellen, die mit sozialem Verhalten in Verbindung gebracht werden. Auffällig war auch, dass sich kein bestimmter gesunder Lebensstil eindeutig erkennen ließ. Manche SuperAger lebten sehr gesund, andere eher nicht. Was jedoch häufiger auffiel, war ihre Geselligkeit und ihre positive Beziehung zu anderen Menschen.

Die Ergebnisse belegen keine klare Ursache und Wirkung. Sie zeigen also nicht, dass Geselligkeit oder ein bestimmtes Verhalten automatisch zum SuperAging führt. Möglich ist auch, dass genetische Faktoren oder eine besondere Widerstandskraft des Gehirns eine große Rolle spielen. Trotzdem stellt das Programm die Vorstellung infrage, dass deutlicher Gedächtnisabbau im hohen Alter unvermeidlich ist.

💡 Was kannst Du daraus für Dich mitnehmen?

Gutes Gedächtnis im hohen Alter ist keine Selbstverständlichkeit, aber auch kein unerreichbares Ideal. Die Studie zeigt vor allem, dass das alternde Gehirn widerstandsfähiger sein kann, als lange angenommen. Auch wenn kein einzelner Lebensstil SuperAging garantiert, lohnt es sich, Faktoren zu stärken, die allgemein mit Gehirngesundheit verbunden sind. Dazu gehört, geistig aktiv zu bleiben, soziale Kontakte bewusst zu pflegen, sich regelmäßig auszutauschen und Beziehungen lebendig zu halten. Besonders soziale Verbundenheit scheint bei vielen SuperAgern ein wiederkehrendes Muster zu sein.

📰 Zum Artikel in Alzheimer’s & Dementia:

https://alz-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/alz.70312

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