Wissenschaftler aus GroĂbritannien, Frankreich und Finnland haben in einer groĂen britischen Langzeitstudie untersucht, ob bei Depressionen in der Lebensmitte bestimmte Symptome stĂ€rker mit einem spĂ€teren Demenzrisiko zusammenhĂ€ngen als andere. DafĂŒr nutzten sie Daten der Whitehall II Kohorte und werteten 5.811 Personen aus, die zu Beginn 45 bis 69 Jahre alt waren und damals keine Demenz hatten. Die depressiven Symptome wurden Ende der 1990er Jahre per Fragebogen erfasst. Neue Demenzdiagnosen wurden anschlieĂend ĂŒber nationale Gesundheitsregister bis 2023 verfolgt, im Mittel ĂŒber rund 23 Jahre.
Im Verlauf entwickelten 586 Teilnehmende eine Demenz. Entscheidend war, dass nicht âDepressionâ als Gesamtpaket den Zusammenhang erklĂ€rte, sondern eine klare Symptomgruppe. Sechs Symptome waren besonders robust mit einem höheren spĂ€teren Demenzrisiko verknĂŒpft: geringes Selbstvertrauen, Probleme beim BewĂ€ltigen von Belastungen, weniger WĂ€rme und Zuneigung fĂŒr andere zu spĂŒren, dauerhaft angespannt zu sein, unzufrieden mit der eigenen Aufgabenerledigung zu sein sowie Konzentrationsprobleme. Wer diese Beschwerden in der Lebensmitte berichtete, hatte langfristig ein um etwa 30 bis 50 Prozent höheres Demenzrisiko, auch nachdem viele andere Risikofaktoren berĂŒcksichtigt wurden.
Besonders auffĂ€llig war das bei Menschen unter 60 Jahren. In dieser Gruppe erklĂ€rten die sechs Symptome den Zusammenhang zwischen âDepression in der Lebensmitteâ und spĂ€terer Demenz praktisch vollstĂ€ndig. Die Autoren betonen, dass es sich um Beobachtungsdaten handelt, also kein Beweis fĂŒr Ursache und Wirkung. Die Symptome könnten auch frĂŒhe Hinweise auf beginnende VerĂ€nderungen im Gehirn sein.
đĄ Was kannst Du daraus fĂŒr Dich mitnehmen?
Wenn Du in der Lebensmitte merkst, dass Dir Selbstvertrauen wegbricht, Du Dich Problemen weniger gewachsen fĂŒhlst, Du Dich innerlich dauerhaft angespannt fĂŒhlst, Du Dich sozial âkĂ€lterâ erlebst oder Dich Konzentration und das Erledigen von Aufgaben deutlich mehr anstrengen, nimm diese Muster ernst. Das bedeutet nicht, dass Du spĂ€ter Demenz bekommst, aber es kann ein Signal sein, genauer hinzuschauen und frĂŒh gegenzusteuern, zum Beispiel mit Ă€rztlicher AbklĂ€rung und passender psychologischer UnterstĂŒtzung. Da die Symptome in der Studie auch hĂ€ufig mit Bewegungsmangel und Hörproblemen zusammenhingen, kann es zusĂ€tzlich helfen, körperliche AktivitĂ€t wieder regelmĂ€Ăig aufzubauen und das Gehör prĂŒfen zu lassen, weil beides die geistige Fitness im Alltag beeinflussen kann.
đ° Zum Artikel in The Lancet – Psychatry:
https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366(25)00331-1/fulltext