Wissenschaftler aus Australien haben in einer qualitativen Interviewstudie untersucht, warum Menschen in einem wohlhabenden Land die mediterrane ErnĂ€hrung trotz ihrer Vorteile selten umsetzen. DafĂŒr fĂŒhrten sie mit 16 Erwachsenen in Australien ausfĂŒhrliche Zoom-Interviews. Alle Teilnehmenden waren mindestens 18 Jahre alt, lebten mit mindestens einer weiteren Person zusammen und kochten im Haushalt alleine oder mit. Die GesprĂ€che dauerten meist 1 bis 2 Stunden und wurden zwischen MĂ€rz 2021 und Januar 2022 gefĂŒhrt. ZusĂ€tzlich gaben die Teilnehmenden per Video Einblicke in KĂŒhlschrank und EssensvorrĂ€te. Die Auswertung bĂŒndelte typische HĂŒrden und hilfreiche Treiber fĂŒr mehr pflanzenbetontes Essen.
Als gröĂtes Hindernis zeigte sich Routine. Viele kochen immer wieder dieselben 5 bis 15 Abendessen, oft ohne Rezepte. Wer stark fleischgewohnte Mahlzeiten hat, empfindet eine Umstellung als anstrengend, auch wenn Gesundheit oder Umwelt als Anreiz dienen. Dazu kommt Zeitdruck: Arbeit, Kinder und volle Tage machen Abendessen zur Pflichtaufgabe, dann gewinnt, was schnell geht. Einige empfanden Fleischgerichte als unkomplizierter als fleischfreie Varianten, weil Ideen und Wissen zu passenden Alternativen fehlten.
Ein weiterer Hebel ist das soziale Umfeld. Im Haushalt essen meist alle dasselbe, fehlende UnterstĂŒtzung durch Partner oder wĂ€hlerische Kinder bremst VerĂ€nderungen stark. Auch Geschmack spielt mit: Fleisch gilt bei vielen als lecker und sĂ€ttigend, HĂŒlsenfrĂŒchte oder GemĂŒse wirken dagegen manchmal langweilig oder von der Konsistenz her unattraktiv. SchlieĂlich beeinflussen GesundheitsĂŒberzeugungen die Auswahl, etwa die Idee, Fleisch sei fĂŒr EiweiĂ oder Eisen unverzichtbar, oder dass Kohlenhydrate grundsĂ€tzlich ungesund seien. UnvertrĂ€glichkeiten, etwa gegen Gluten oder HĂŒlsenfrĂŒchte, können zusĂ€tzlich einschrĂ€nken. Die Ergebnisse beschreiben Wahrnehmungen und ZusammenhĂ€nge. Sie belegen keine Ursache Wirkung, zeigen aber sehr konkret, wo man ansetzen könnte, etwa mit kleinen Schritten, Planung, einfachen Rezepten und alltagstauglichen Ersatzideen.
đĄ Was kannst Du daraus fĂŒr Dich mitnehmen?
Wenn Du mediterraner essen willst, starte nicht mit einer Komplettumstellung, sondern mit kleinen, wiederholbaren Schritten. Plane zum Beispiel einen festen Tag pro Woche fĂŒr ein mediterranes Abendessen und wiederhole ihn mehrere Wochen, damit daraus Routine wird. Statt ganz neue Gerichte zu lernen, kannst Du zunĂ€chst vertraute Mahlzeiten abwandeln, zum Beispiel Fleisch in Pasta, Chili oder Pfanne durch Linsen, Bohnen, Tofu oder Fisch ersetzen. Mach es Dir leicht mit schnellen Basics wie Dosencouscous, TiefkĂŒhlgemĂŒse, Kichererbsen aus der Dose und Olivenöl. Wenn Geschmack der Knackpunkt ist, helfen ein bis zwei erprobte Rezepte und krĂ€ftige GewĂŒrze, damit GemĂŒse und HĂŒlsenfrĂŒchte nicht fade wirken.
đ° Zum Artikel im Journal of Health Psychology:
https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/13591053251354851